Fachvortrag von Dr. Sebastian SchielLeben können – sterben dürfen: Palliativmedizin als Angebot mit Perspektive
Am 23. April 2026 veranstaltete die Lichtermeer-Stiftung gemeinsam mit den im Vogelsberg aktiven Hospizvereinen und dem Hospiz- und Palliativnetzwerk Vogelsberg einen Fachvortrag. Rund hundert Menschen füllten den Veranstaltungssaal der Schottener Dienste in Lauterbach bis auf den letzten Platz. Heide Fink, Vorsitzende des Hospizdienstes im Vogelsberg, betonte zur Begrüßung das Anliegen, das Thema Tod und Sterben aus der Tabuzone zu holen. Im Publikum befanden sich ehrenamtliche Hospizbegleiterinnen, Fachkräfte aus Medizin und Pflege, Betroffene sowie Interessierte.
Der Referent, Dr. Sebastian Schiel, Direktor der Abteilung Palliativmedizin im Klinikum Fulda, überraschte das Publikum damit, mit wie viel Freude und Leichtigkeit über die medizinische Versorgung unheilbar kranker Menschen gesprochen werden kann. Seine Kernbotschaft: Palliativmedizin bedeutet nicht die Endstation, sondern bietet Potenzial. Ein früher Beginn der palliativen Versorgung im Therapieprozess könne die Lebensqualität erhöhen und das Leben verlängern. Für Schiel und sein Team bedeuten Diagnosen, bei denen Patienten als „austherapiert“ gelten, einen „Boxenstopp“, um sie für weitere Runden fitzumachen.
Dem Mediziner steht dafür ein ganzer Werkzeugkasten an Mitteln zur Verfügung. Behandelt werden dabei im Sinne des „Total Pain“-Konzepts neben körperlichen Symptomen auch spirituelle und psychische Bedürfnisse. Hilfe leistet ein multiprofessionelles Team, bestehend aus Seelsorgern, Medizinern, spezialisierten Pflegekräften, Therapeuten und Sozialarbeitern. Dr. Schiel thematisierte zudem die Vermeidung einer „Übertherapie“ am Lebensende sowie die zukünftige Herausforderung der palliativen Geriatrie bei Demenzerkrankungen.
Im Anschluss sorgte der Vortrag für viel Gesprächsstoff, wobei auch ethische Aspekte wie der assoziierte Suizid und die essenzielle Bedeutung von Vollmachten und Patientenverfügungen diskutiert wurden. Die nachhaltige Botschaft des Abends verdeutlichte, dass es machbar ist, unheilbar kranken Menschen eine gut versorgte letzte Lebensphase und ein Sterben in Würde zu ermöglichen.



